5. Türchen

Fanfare Ciocărlia

Zece Prajini heißt das mit Provinnest noch charmant umschriebene Dorf im Osten Rumäniens, aus dem die Musiker der Fanfare Ciocărlia stammen (der Schreiber dieser Zeilen war tatsächlich dort). Es liegt zwar an einem Bahngleis, der dort dreimal am Tag vorbeifahrende Zug hält jedoch nicht. Passagiere, die zu den paar Häusern gelangen möchten, müssen kurzerhand aus dem fahrenden Zug springen – gnädigerweise verlangsamt der Lokführer das Tempo.
Wie in vielen abgelegenen Dörfern auf dem Balkan, gibt es auch in Zece Prajini eine Musiker-Szene der Roma. Ihre Kapellen, mit denen sie bei allen möglichen Festlichkeiten auftreten, nennen sie ‚Fanfare’. Man reist von Dorf zu Dorf, irgendwo ist immer eine Taufe, eine Hochzeit, ein Todesfall. Noten gibt es keine, Spieltechnik und Instrumente werden von den Vätern auf die Söhne vererbt.
Auch die Fanfare Ciocarlia musiziert in dieser Tradition seit Jahrzehnten, mit dem Unterschied, dass seit dem preisgekrönten Dokumentarfilm „lag bari -Brass on Fire“ über das Leben der Roma-Musiker, der innovative DJs inspirierte, Elemente der Musik in ihre Sets einzubauen und dies fortan Balkan Beats zu nennen, heute die ganze Welt zu ihrer Musik abgeht.